Frauenpower bei Rapp – und mehr!
Annette Rapp und Scarlett Herzog haben vor rund einem Jahr ein Netzwerk für und von Frauen bei der Rapp AG ins Leben gerufen. Mit ihrem Engagement möchten sie nicht nur den Austausch und die Förderung von Frauen innerhalb des Unternehmens stärken, sondern auch eine Plattform schaffen, auf der sich weibliche Talente gegenseitig unterstützen und weiterentwickeln können.
Das Baugewerbe gilt nach wie vor als Männerdomäne. Warum ist es wichtig, dass mehr Frauen in dieser Branche vertreten sind?
Annette Rapp (AR): Die Förderung von Frauen im Baugewerbe trägt zur Gleichstellung der Geschlechter bei und hilft, traditionelle Geschlechterrollen und Stereotypen zu überwinden. Aber: Die Integration von mehr Frauen im Baugewerbe ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine strategische Entscheidung, die der gesamten Branche zugutekommt. Denn Geschlechtervielfalt bringt unterschiedliche Perspektiven und Ideen in die Branche ein, was zu mehr Innovation und kreativen Lösungen führt.
Scarlett Herzog (SH): Studien belegen, dass gemischte Teams die besten wirtschaftlichen Ergebnisse erzielen und die Qualität der Entscheidungen verbessern. Um diese Vorteile nutzen zu können, muss die Baubranche auch für Frauen attraktiv gemacht werden. Auf der Tertiärstufe und bei den Studierenden sind Frauen heute in allen Studienrichtungen in der Mehrheit. Bei den Ingenieurberufen hinkt der Frauenanteil jedoch noch hinter dem Männeranteil her. Die Baubranche tut deshalb gut daran, ihre Attraktivität zu steigern und den gut ausgebildeten Frauen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihr Potenzial voll entfalten können und gleichberechtigt zu ihren männlichen Kollegen gefördert werden.
Ihr seid beide in der Geschäftsleitung der Rapp AG. Wie sieht denn bei uns die Situation aus?
SH: Durch das Selbstverständnis einiger Männer entstehen auch heute noch Situationen, welche ich schon vor 25 Jahren als junge Bauingenieurin als nicht zeitgemäss erachtet hatte. Auch wenn sich in den letzten 20 Jahren viel in die richtige Richtung entwickelt hat, so sind wir uns dennoch bewusst, dass wir weiteren Handlungsbedarf haben, um insbesondere unsere jüngeren Kolleginnen in ihren Bestrebungen zu bestärken. Hierbei haben Annette und ich als Mitglieder der GL eine Vorbildfunktion und eine zentrale Rolle, die wir sehr gerne und bewusst leben.
AR: Scarlett und ich sind zu zweit in der siebenköpfigen Geschäftsleitung und vertreten dort einen operativen Bereich und einen Servicebereich. Im oberen Management ist der Frauenanteil leider sehr gering. Hier besteht also noch Nachholbedarf! Es geht uns aber weder um eine Quote, noch darum, die Leistungen unserer männlichen Kollegen in Frage zu stellen, sondern um eine ausgewogene Geschlechterverteilung auf allen Stufen. Das ist in unserer Branche per se schwierig. Deshalb braucht es einen gesunden Fokus und subtilen Druck, damit sich etwas ändert.

Annette Rapp (50) begann ihre Karriere 1998 bei der Rapp Gruppe. Sie durchlief verschiedene Stationen mit zunehmender Führungsverantwortung. Seit Mitte 2022 ist sie Bereichsleiterin Energie, Mitglied der Geschäftsleitung und Partnerin der Rapp AG. Die gelernte Hochbauzeichnerin hat sich in den Bereichen General Management, Facility Management und Finanzen weitergebildet.
Sie ist verantwortlich für die strategische und operative Führung ihres Bereichs mit rund 70 Mitarbeitenden. Sie erarbeitet Marktstrategien, entwickelt Geschäftsfelder weiter und stellt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicher. Ihr Fokus liegt auf nachhaltigem Wachstum, der Motivation der Mitarbeitenden und der erfolgreichen Positionierung der Rapp AG.
Ihr habt vor einem Jahr ein internes Netzwerk für und von Frauen ins Leben gerufen. Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt?
AR: Sehr gute! Die regelmässigen Zusammenkünfte finden Anklang und die Zahl der Teilnehmerinnen steigt erfreulicherweise kontinuierlich. Das ungezwungene Format fördert den Austausch, die Frauen lernen sich persönlich und/oder besser kennen. Sie nutzen die Gespräche zum beruflichen Austausch, aber auch um Erfahrungen zu teilen.
SH: Ich kann mich Annette nur anschliessen. Als wir vor etwas mehr als einem Jahr den ersten Anlass durchgeführt haben, waren wir noch unsicher, wie gross das Bedürfnis resp. die Lust auf die Ladies-Abende sein würde. Die kontinuierlich steigende Zahl der Teilnehmerinnen bestätigt uns in unserem Vorhaben. Neben den lockeren Ladies-Abenden kommen vermehrt junge Kolleginnen mit sehr konkreten Fragen, Wünsche oder Anliegen auf uns zu. Das freut uns sehr!
Welche neuen Impulse oder Ideen fliessen in die Weiterentwicklung des Netzwerks ein?
SH: Unser Netzwerk ist noch sehr jung, hat sich aber bereits im ersten Jahr sehr gut entwickelt. Die lockeren Damenabende haben wir recht schnell um die Möglichkeit der so genannten «Seitengespräche» erweitert. Nun sind wir gespannt, welche weiteren Ideen bei uns entstehen oder mit welchen Ideen unsere Kolleginnen auf uns zukommen.
AR: Am Anfang haben wir uns mit dem Netzwerk an die Kaderfrauen gewandt, haben dann aber schnell gemerkt, dass diese Kolleginnen sich schon «Gehör» verschafft haben und wir eher die Frauen ansprechen wollen, die noch zu wenig sichtbar sind. So haben wir das Netzwerk auf alle Mitarbeiterinnen der Rapp AG ausgeweitet und erreichen seither unser Ziel besser. Auf diese Weise werden wir uns weiter anpassen und entwickeln.

Scarlett Herzog (51) absolvierte nach einer Lehre als Tiefbauzeichnerin mit Berufsmatur ein Bauingenieurstudium an der HTL Brugg-Windisch und erweiterte ihre Kenntnisse mit einem Nachdiplomstudium in Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Zürich. Ergänzend dazu bildete sie sich mit einem BIM-Lehrgang sowie einem Lehrgang zur Dipl. Verwaltungsrätin am ZfU weiter.
Beruflich begann sie als Projektingenieurin im Stahlbau, bevor sie 2001 zur Jauslin Stebler AG wechselte, wo sie bis 2019 in verschiedenen leitenden Funktionen tätig war. Anschliessend übernahm sie als Vorsitzende der Geschäftsleitung der Rapp Services AG eine zentrale Rolle in der Unternehmensgruppe. Seit 2022 ist sie als Leiterin Services & Development bei der Rapp AG in Basel tätig und gehört der Geschäftsleitung an.
Scarlett Herzog hat die «Seitengespräche» erwähnt. Was muss man sich darunter vorstellen?
AR: Rund zehn Frauen in Führungsfunktionen (Linie und Projekte) haben sich zu einem Kernteam zusammengeschlossen und bieten Zeitfenster für einen kurzen 1:1-Austausch an. Das Format richtet sich an unsere Mitarbeiterinnen, die in der Regel männliche Vorgesetzte haben und sich mit einem Anliegen ihrer Wahl an eine Kollegin wenden möchten. Wir nennen diese «Seitengespräche», einfach deshalb, weil sie keine Mitarbeiter:innen-Gespräche sind und diese auch nicht torpedieren.
SH: Das proaktive Angebot von Zeitfenstern für die «Seitengespräche» hat sich bewährt, auch wenn unsere Türen grundsätzlich immer offen stehen. Sie bauen Hemmschwellen vor allem bei jüngeren Frauen ab.
Ihr seid die Initiatorinnen dieses Projektes! Was treibt euch persönlich an, dieses Netzwerk weiter voranzutreiben?
AR: Ich bin überzeugt, dass unser Unternehmen durch vielfältige Teams erfolgreicher wird und das Netzwerk dazu beiträgt, dass wir für weibliche Fachkräfte attraktiv sind und auch bleiben.
SH: Als ich 1989 meinen ersten Arbeitstag in der Baubranche hatte, war ich eine absolute Minderheit, also immer eine Ausnahme, und mein Geschlecht war oft ein Thema. Ich wünsche mir, dass meine jungen Kolleginnen ohne Vorurteile, ohne Geschlechterbarrieren und mit Selbstbewusstsein ihren gewählten Beruf ausüben dürfen und dass bis zu meiner Pensionierung Frauen und Männer in der Baubranche annähernd paritätisch vertreten sind.